Wohin im Sommer? Urlaub in Corona-Zeiten

Wohin im Sommer? Urlaub in Corona-Zeiten

So realistisch ist der Sommerurlaub 2020

Wer 2020 Urlaub machen möchte, hat’s schwer. Noch am 15. Mai spricht das Auswärtige Amt eine Warnung für nicht notwendige, touristische Reisen ins Ausland aus. Am 15. Juni will die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für 36 europäische Staaten nun aufheben. Wo ist Sommerurlaub 2020 möglich und wie ist die Stimmung vor Ort?

Urlaub in Deutschland

Das öffentliche Leben startet wieder. Deutschlandweit öffnen Kitas und Schulen, schrittweise nehmen Schwimmbäder, Fitnessstudios und Campingplätze den Betrieb wieder auf. Die Bundesländer regeln die Rückkehr ins öffentliche Leben selbst. Lesen Sie hier, was aktuell erlaubt ist und was nicht und mit welchen Bußgeldern Sie bei Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen rechnen müssen.

Camping und Strandurlaub boomen

Individuelle Anreise, keine engen Hotelflure und viel Natur: Camping erfreut sich dieses Jahr besonderer Beliebtheit. Besonders für Familien bedeutet der Urlaub im Wohnwagen eine gute Alternative. Mit reduzierten Stellplätzen und strengen Hygienevorschriften sind Campingplätze in allen Bundesländern wiedereröffnet. Eine gute Gelegenheit, um unbekannte Regionen innerhalb Deutschlands zu erkunden.

Tipp: Informieren Sie sich im Vorhinein, welche Bestimmungen auf den einzelnen Campingplätzen gelten. Denn oftmals bleibt es nicht bei den üblichen 1,5 Metern Abstand. Gäste benötigen teilweise ein portables WC im Wohnwagen oder Wohnmobil. Auf einigen Plätzen gilt sogar die Maskenpflicht. Und die Campingplätze füllen sich rasant.

An der Küste

Selten war der Strandurlaub an Ost- und Nordsee so verlockend wie dieses Jahr. Wer Planungssicherheit braucht, verschiebt Reiseziele im Ausland lieber auf kommende Jahre. Mit reduzierter Kapazität erwarten die Restaurants und Ferienunterkünfte in Norddeutschland die lang ersehnten Feriengäste. Falls Sie einen Tagesausflug auf die nord- oder ostfriesischen Inseln planen, sollten Sie unbedingt im Vorhinein die Kapazitäten checken.

Tipp: Mecklenburg-Vorpommern verwehrt auch in den kommenden Wochen noch Touristen aus Risikogebieten die Einreise. Als Risikogebiet gilt eine Region mit 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

National- und Freizeitparks

Mit Mund-Nasen-Bedeckung in der Achterbahn? Für Viele sicher gewöhnungsbedürftig. Dennoch eine tolle Gelegenheit, um einen freien Kopf zu bekommen. Der Europa-Park oder der Heide Park in Soltau empfangen schon wieder ihre attraktionsfreudigen Gäste. Es gelten die üblichen Hygieneregeln. Tickets erhalten Sie online.

Wen es in die Natur zieht, sollte die Nationalparks Deutschlands erkunden. Eifel, Müritz oder Bayerischer Wald bieten facettenreiche Erholung in der Nachbarschaft. Achten Sie auf den Mindestabstand von 1,5 Metern und halten Sie die Bestimmungen zum Naturschutz ein.

Urlaub in der Schweiz und Österreich

Stichprobenartige Grenzkontrollen erwarten Sie bis zum 15. Juni an der Grenze nach Österreich. Denn Hotels und Campingplätze empfangen bereits wieder Gäste. In wichtigen Tourismusregionen sollen Beschäftigte vorsorglich auf Corona getestet werden, um vorzeitig eine erneute Welle an Infektionen zu erkennen. Mit Abstandsregeln geht Österreich liberal um: Büfetts und Wellnessbereiche sind in Hotels bereits wieder frei zugänglich, für Besuchergruppen gilt kein Mindestabstand. Für den Restaurantbesuch sollten Sie allerdings vorsorglich Ihre Mund-Nasen-Bedeckung einstecken.

Geschäfte, Museen und viele Hotels haben in der Schweiz bereits wieder geöffnet. Die Regierung empfiehlt eine Mund-Nasen-Bedeckung auf engem Raum zu tragen, eine Pflicht besteht nicht. An den Grenzen der Schweiz gibt es bereits Lockerungen, die Tourismusbranche hofft auf ausländische Urlauber ab dem 15. Juni.

Ab dem 15. Juni: Europa-Urlaub wieder möglich?

Am 15. Juni will die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufheben. Das gilt für 31 EU-Staaten ebenso wie für Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Vorausgesetzt, die Corona-Lage verschlimmert sich nicht drastisch.

Die EU-Kommission rät zu einer stufenweisen Öffnung der Binnengrenzen in Europa. Die Reisebedingungen werden deswegen über einen längeren Zeitraum variieren. Abstands- und Hygieneregeln erwarten Sie in jeder Urlaubsregion.

Mittelmeerraum

Urlaub in Spanien

Ab dem 1. Juli öffnet Spanien seine Grenzen für Touristen. Das gilt auch für die Balearen. Eine Einreisequarantäne wird es dann nicht mehr geben. An den Strand dürfen im Juni zunächst allerdings nur Einheimische. Das gilt als erster Testlauf für den Sommer, wenn die Touristen wiederkommen. Die Gemeinden arbeiten bis dahin Konzepte aus, wie sie Sicherheitsabstände an den Stränden gewährleisten.

Als eine der ersten Regionen Spaniens setzen die Kanaren auf eine Corona-App. Die App soll nachvollziehen können, ob Personen mit Corona-Infizierten in Kontakt waren.

Urlaub in Italien

Wie viel dolce vita ist in diesem Jahr möglich? Corona traf Menschen und Wirtschaft Italiens besonders schwer. Besonders für Deutsche und Österreicher ist das Land mit seinen weiten Stränden und der berühmten Küche ein beliebtes Urlaubsziel. Viele Italiener leben vom Tourismus. Deswegen öffnet Italien seine Grenzen bereits am 3. Juni. Museen, Strände, Bars und Restaurants dürfen unter Auflagen wieder Gäste empfangen. Die Hotels in Südtirol können Sie bereits wieder buchen. Eine Einreisequarantäne soll es dann nicht mehr geben.

Achtung: Die Regionen Venetien und Sardinien werben sogar damit „Covid-free“ zu sein. Ein Werbeslogan, den Sie nicht zu wörtlich nehmen sollten.

Urlaub in der Türkei

Die Tourismusbranche des Landes hofft auf schnelle Lockerungen. Das Land bereitet den Start des Tourismus zum 10. Juni vor. Deutsche Touristen sollen allerdings nur per Charterflug ins Land gelangen. Reisebeschränkungen gelten in immer weniger Städten und Provinzen. Stellen Sie sich trotzdem auf vereinzelte Corona-Tests an Flughäfen ein und vergessen Sie nicht Ihre Mund-Nasen-Bedeckung.

Die Türkei setzt auf Weiterbildungen im Restaurant- und Hotelgewerbe. Die Hotels setzen staatliche Sicherheitsmaßnahmen anhand eines allgemeinen Hygiene-Katalogs des Kultur- und Tourismusministeriums durch.

Urlaub in Kroatien

Tausende Urlauber tummeln sich jeden Sommer an den buchtenreichen Stränden der Adria. Kroatien verzeichnete im europäischen Vergleich eine geringe Rate an Corona-Infektionen. Die Gastronomiebetriebe durften deswegen offenbleiben. Allerdings schlossen viele Betriebe aufgrund ausbleibender Gäste die Türen für unbestimmte Zeit.

Mit der verbesserten Corona-Lage öffnen auch die Cafés und Restaurants wieder. Das gilt auch für Strände, Thermen oder öffentliche Parkanlagen. Unter Sicherheitsauflagen können Touristen Nationalparks und Zoos wieder besuchen.

Die Regierung schreibt zwar keine Mund-Nasen-Bedeckung vor, spricht aber eine Empfehlung aus. Per App können sich Urlauber ab Ende Mai für die Einreise ins Land anmelden. Das soll den Prozess an den Grenzen beschleunigen.

Urlaub in Griechenland

Griechenland bereitet sich auf die Urlaubssaison 2020 vor. Fast alle griechischen Badestrände sind mittlerweile wieder zugänglich, bald sollen auch kleinere Inseln wieder erreichbar sein. Der Fährverkehr nach Kreta hat den Betrieb wiederaufgenommen. Besucher können bereits die archäologischen Freiluft-Sehenswürdigkeiten Griechenlands bewundern. Mit Mund-Nasen-Bedeckung und 1,5 Meter Abstand, versteht sich.

Am 15. Juni eröffnen die ersten Hotels. Flüge in die beliebten Touristenregionen sollen ab dem 1. Juli wieder möglich sein. Achtung: Noch gilt die Einreisequarantäne. Reisende aus Deutschland sollen allerdings bald ohne Quarantäne Ihre Sommerferien genießen können.

Urlaub in Frankreich

Rotwein, gutes Essen und tolle Landschaft – Frankreich hat als Urlaubsland einiges zu bieten. Ab Dienstag, dem 2. Juni, dürfen die Restaurants, Bars und Touristenunterkünfte nun wieder öffnen. Nach zwei Monaten strikter Ausgangssperre sorgen die Lockerungen bei vielen Französinnen und Franzosen für große Erleichterung. Das öffentliche Leben kann wieder beginnen.

Für deutsche Touristen bedeutet das: Ab dem 15. Juni sollen die Grenzen öffnen. Ausnahmen gelten nur für einzelne, von Covid-19 stark betroffene Regionen. Im öffentlichen Nahverkehr gilt nach wie vor Maskenpflicht und der Mindestabstand von 1,5 Metern. Nur wenn die Infektionszahlen wieder deutlich steigen sollten, ergreift die Regierung regionale Maßnahmen. Über weitere Lockerungen entscheidet sie am 22. Juni.

Gut zu wissen: Viele Sehenswürdigkeiten im Land empfangen wieder Besucher. Die berühmten Besuchermagneten, wie der Pariser Louvre, werden aber voraussichtlich nicht vor September wieder geöffnet.

Skandinavien

Als erstes europäisches Land hatte Dänemark bereits im März seine Grenzen geschlossen. Nun kündigt Ministerpräsidentin Mette Fredriksen die Grenzöffnung für Urlauber aus Norwegen, Deutschland und Island ab dem 15. Juni an.

Die Pflicht für eine Mund-Nasen-Bedeckung gilt in Dänemark nicht. Restaurants und kulturelle Einrichtungen haben bereits wieder geöffnet.

Norwegen hingegen lässt nur Reisende aus Dänemark wieder ins Land. Nach aktuellem Stand dürfen Touristen erst nach dem 20. August auf Urlaub in Norwegen hoffen. Es gilt eine zehntägige Quarantänepflicht. Island hingegen möchte die Quarantänebestimmungen bis zum 15. Juni lockern.

Schweden schlug mit seinen liberalen Regeln während der Corona-Krise einen Sonderweg ein. Während die meisten europäischen Staaten den Lockdown verhängten, waren in dem nordeuropäischen Land die Kitas weiterhin geöffnet, die Regierung sprach Empfehlungen anstatt Regeln aus. Bußgelder gab es keine.

Konsequenterweise dürfen EU-Bürgerinnen und Bürger ins Land einreisen. Eine Quarantänepflicht gibt es nicht. Eine Mund-Nasen-Bedeckung können Sie natürlich zu Ihrer eigene Sicherheit tragen, entsprechende Gesetze gibt es keine. Die schwedische Regierung bittet allerdings um allgemeine Rücksichtnahme in der Öffentlichkeit.

Achtung: Sowohl in Norwegen als auch Dänemark gibt es Bedenken, dass nach einer eventuellen Grenzöffnung zu Schweden die Ansteckungszahlen im eigenen Land wieder steigen könnten. Die Grenzen bleiben deswegen auch über den 15. Juni hinaus geschlossen.

Urlaub in Osteuropa

Viele osteuropäische Länder reagierten auf die Corona-Pandemie schneller und härter als Deutschland. Das traf besonders die Wirtschaft. Die Tourismusbranche in Polen hofft deswegen auf zahlreiche deutsche Besucher. Die polnischen Seebäder sind mindestens noch bis zum 12. Juni geschlossen.

Die polnische Tourismusorganisation POT visiert den 15. Juni als möglichen Termin für die Grenzöffnung zwischen Deutschland und Polen an. Hotels, Campingplätze und Restaurants sind für Einheimische bereits wieder geöffnet. Die POT plant ein Hygiene-Zertifikat für Hotels und Restaurants einzuführen, um die Hygienestandards zu gewährleisten.

Tschechien hat bereits im Mai seine Grenzen wieder geöffnet. Das Land blieb von Corona relativ verschont. Ab dem 8. Juni sollen sogar Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern erlaubt werden.

Achtung: Die osteuropäischen Länder bilden einen wichtigen Transitkorridor für den Warenverkehr zwischen Europa und Asien. Stellen Sie sich deswegen auf viel Verkehr und Staus auf den Autobahnen ein.

Urlaub im nichteuropäischen Ausland

Außenminister Heiko Maas hat bereits angekündigt, dass für europäische Länder die Reisewarnung früher aufgehoben werden kann. Reisen ins nichteuropäische Ausland sollten Sie deswegen noch nicht wieder planen. Über die Corona-Lage in bestimmten Ländern informieren Sie sich am besten beim Auswärtigen Amt.

Stand: 02.06.2020